Wie aus einer Werkssiedlung der Salzburger Aluminiumindustrie das Zuhause wurde, das die Stockerleiten GmbH heute bewahrt.
Die Häuser Stockerleiten 97 und 98 sind eng mit der Entwicklung der Gemeinde Lend und der Geschichte der Salzburger Aluminiumindustrie verbunden. Was heute ein modernes Wohnobjekt ist, entstand aus einer Zeit, in der Lend zu einem der wichtigsten Industriestandorte Salzburgs heranwuchs.
Sonderkapitel: Der Trockenboden von 1938 →Für Lend begann eine neue Epoche. Die Fabrik schuf zahlreiche Arbeitsplätze und ließ die Einwohnerzahl rasch ansteigen. Um den dringend benötigten Wohnraum für die Beschäftigten zu schaffen, entstanden im Laufe der Jahrzehnte mehrere Werkssiedlungen mit Personalwohnhäusern, die das Ortsbild bis heute prägen.
In Lend herrschte große Wohnungsnot. Deshalb wurden neue Wohnanlagen für Werksangehörige errichtet — unter anderem im Gigerach, in der Stockerleiten sowie beim Stegerhaus. Diese Siedlungen ersetzten nach und nach die einfachen Barackenunterkünfte, in denen viele Arbeiterfamilien zuvor gelebt hatten, und verbesserten die Wohnqualität nachhaltig.
Beide Häuser stammen aus dieser Entwicklungsphase der ehemaligen Werkssiedlung der Salzburger Aluminiumindustrie. Sie wurden als solide Mehrfamilienhäuser errichtet und boten Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Salzburger Aluminiumindustrie ein Zuhause. Große Grünflächen, kurze Wege und eine starke Nachbarschaft prägten den Alltag der Bewohner.
Mit dem Wandel der Industrie änderte sich auch die Nutzung der ehemaligen Werkswohnungen. Viele Gebäude gingen in Privatbesitz über und wurden in den vergangenen Jahren modernisiert. Damit begann ein neues Kapitel in ihrer Geschichte.
Die Häuser werden von der Stockerleiten GmbH mit dem Ziel erhalten und weiterentwickelt, ihren historischen Charakter zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäßen Wohnkomfort zu bieten. Wir sehen uns nicht nur als Eigentümer, sondern auch als Bewahrer eines kleinen Stücks Lender Ortsgeschichte.
Wohnen in der Stockerleiten bedeutet mehr als vier Wände – es bedeutet, Teil eines Ortes mit Geschichte zu sein, der seit Jahrzehnten Menschen ein Zuhause bietet und eng mit der Entwicklung der Gemeinde Lend verbunden ist.
Der gemeinschaftliche Trockenboden der Werkssiedlung — von der Waschküche zur Gartenbank.
Der gemeinschaftliche Trockenboden wurde um 1938 errichtet. Ursprünglich diente er nicht den heutigen Wohnhäusern der Stockerleiten, sondern den damals auf dem Grundstück stehenden Arbeiterwohnbaracken. Für die damalige Zeit war die Anlage mit ihren Waschküchen und Trockenräumen eine moderne und fortschrittliche Einrichtung, die den Bewohnern einen erheblichen Komfortgewinn bot.
Im Erdgeschoss befanden sich zwei gemeinschaftliche Waschküchen. Dort wurde das Wasser in großen Waschkesseln mit einem holzbefeuerten „Dämpfer" erhitzt. Da die Wohnungen damals weder über Badezimmer noch über Warmwasser verfügten, war dies der zentrale Ort für die Körper- und Wäschepflege. Das Waschen war körperlich anstrengend und nahm oft einen ganzen Tag in Anspruch.
Über eine Treppe gelangte man in das Obergeschoss mit den beiden großzügigen Trockenböden. Dort wurde die frisch gewaschene Wäsche auf langen Leinen aufgehängt. Durch die offene Bauweise und die gute Durchlüftung konnte sie unabhängig von der Witterung trocknen. Der Bauplan zeigt diese Aufteilung mit zwei getrennten Trockenräumen über den beiden Waschküchen.
Der Trockenboden war jedoch weit mehr als ein funktionaler Zweckbau. Während die Wäsche trocknete oder in den Waschküchen gearbeitet wurde, trafen sich die Bewohner, tauschten Neuigkeiten aus und halfen einander. Viele Erinnerungen ehemaliger Bewohner verbinden sich mit diesem Ort, der über Jahrzehnte das Gemeinschaftsleben prägte.
Nachdem die Arbeiterbaracken verschwanden und an ihrer Stelle die heutigen Wohnhäuser entstanden, blieb der Trockenboden weiterhin erhalten und wurde von den Bewohnern der Stockerleiten genutzt. Erst mit dem Einzug von Badezimmern, Waschmaschinen und später Wäschetrocknern verlor die Anlage nach und nach ihre ursprüngliche Funktion.
Im Jahr 2026 musste der Trockenboden schließlich abgetragen werden. Nach fast neun Jahrzehnten war das Gebäude stark baufällig geworden und wurde für seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr benötigt. Mit seinem Abbruch verschwand ein stiller Zeuge des Alltags vergangener Generationen.
An seiner Stelle entstand eine Gartenanlage. Genau dort, wo sich einst der Trockenboden befand, lädt heute eine Sitzbank zum Verweilen ein. Wie früher treffen sich hier Bewohner und Besucher, kommen miteinander ins Gespräch und tauschen Neuigkeiten aus. So lebt der ursprüngliche Gedanke des Ortes – Menschen zusammenzubringen – bis heute weiter, wenn auch in einer neuen Form.
Auch wenn mit dem Abbruch ein bedeutendes Stück Bau- und Alltagsgeschichte verloren ging, bleibt die Erinnerung an den Trockenboden als Symbol für Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Leben in der Stockerleiten bestehen.